Was bringt das Jahr 2016?

Neues Jahr, neues Glück – und einige Verschärfungen. Auf Immobilieneigentümer und Vermieter kommen ein paar Änderungen zu.

EnEV 2016

Ab 1. Januar tritt die nächste Stufe der Energieeinsparungsverordnung EnEV2014, auch „EnEV 2016“ genannt, inKraft. Häuslebauer, die ab jetzt ihren Bauantrag einreichen, müssen die Außenhülle verstärkt dämmen, sowie auf effiziente Haustechnik achten. Der Neubau darf nämlich höchstens 75 Prozent der Primärenergie eines nach derzeitigen Standards vergleichbaren Hauses benötigen. Auch die Wärmedämmung des Gebäudes muss um 20 Prozent besser sein. 

Eigentümer von Bestandsgebäuden müssen bei größeren Sanierungen nicht tiefer in die Tasche greifen: Für sie bleibt es bei den bisherigen Auflagen der EnEV 2014. Dennoch könnte es für sie teurer werden, denn die Koalition plant, die Umlage von Modernisierungskosten auf den Mieter zu kürzen (siehe unser Blog von nächster Woche).

Alte Heizungen

Verschärft wurde auch die Austauschpflicht für alte Öl- und Gasheizungen. Bisher mussten nur Heizungen, die vor 1978 eingebaut wurden, ersetzt werden. Jetzt gilt: Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1985 eingebaut worden sind, dürfen nicht mehr betrieben werden.

Mietpreisbremse

Um den Anstieg der Mietpreise zu drosseln, trat am 1. Juni 2015 die Mietpreisbremse in Kraft. Demnach darf die Miete nur noch bis zu zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Zu den neun Bundesländer, die das Gesetz bislang eingeführt haben, gehören auch Baden-Württemberg (in 68 Städten und Gemeinden) und Rheinland-Pfalz. Hier wird die Bremse in den Universitätsstädten Mainz, TRIER und Landau angezogen. Das Saarland plant bislang nicht, das Gesetz umzusetzen.

Immobilienkredite

Der so genannte Widerrufsjoker des Kreditnehmers ist voraussichtlich ab 21. März 2016 nicht mehr. Trumpf. Bis dahin muss die Bundesregierung eine EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten umsetzen. Der erste Gesetzesentwurf im Oktober 2015 war sehr umstritten, besonders was die bislang geplante Neuregelung des Widerrufsrechts betrifft: Sie sieht vor, den Rücktritt bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung im Kreditvertrag auf zwölf Monate und 14 Tage zu begrenzen. Verbraucherschützer sehen hier eine Einschränkung der Rechte von Bauherren und Hausbesitzern. Bislang genossen Kreditnehmer ein unbegrenztes Widerrufsrecht für den Fall, dass Darlehensverträge in Folge unzureichender Beratung fehlerhaft waren. Ob die neue Regelung auch rückwirkend für bereits bestehende Verträge gilt, ist noch unklar. Bei korrekter Widerrufsbelehrung ist der Rücktritt vom Vertrag nach wie vor nur bis zu 14 Tage nach der Unterzeichnung möglich.

KfW vergibt höhere Förderkredite

Die KfW gibt mehr Geld: Ab 1. April können Bauherren für energieeffiziente Neubauten doppelt so hohe Förderkredite aufnehmen wie bisher. Statt bei 50.000 Euro liegt die Obergrenze dann bei 100.000 Euro pro Wohneinheit. Gewährt werden diese Förderungen allerdings nur noch für Neubauten, die mindestens dem Standard "KfW-Effizienzhaus-55" entsprechen. Ihr Energiebedarf darf höchstens bei 55 Prozent der bis Ende 2015 zulässigen Höchstwerte liegen.

Zusätzlich zu den bisherigen Programmen gibt es künftig das Darlehen "40 Plus" mit einem attraktiveren Tilgungszuschuss. Für 20- und 30-jährige Kreditlaufzeiten wird außerdem eine Variante mit 20-jähriger Zinsbindung eingeführt.

Neue Vergütung bei Blockheizkraftwerken

Wer ab 1. Januar 2016 ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit weniger als 50 Kilowatt Leistung in Betrieb nimmt, erhält voraussichtlich andere Vergütungen als die Besitzer bestehender Anlagen. Denn nach dem neuen Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) wird der ins öffentliche Netz eingespeiste Strom etwas stärker gefördert als bisher, der selbst verbrauchte Strom dafür etwas geringer.

Für jede Kilowattstunde Strom, die in das Netz eingespeist wird, gibt es ab 2016 voraussichtlich einen Zuschlag von 8 statt wie bisher 5,41 Cent. Im Gegenzug sinkt aber der Satz für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde von ebenfalls 5,41 auf nur noch 4 Cent. Zusätzlich zum KWK-Zuschlag erhalten BHKW-Betreiber weiterhin für jede eingespeiste Kilowattstunde den durchschnittlichen Börsenstrompreis des Vorquartals und einen Vergütungsanteil für vermiedene Netzkosten.

Für Stromerzeuger wird Eigenverbrauch teurer

Wer mit Solar- oder Windkraft oder mit einem Blockheizkraftwerk selbst Strom erzeugt, wird für den Eigenverbrauch etwas stärker zur Kasse gebeten. Bislang werden für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde 30 Prozent der EEG-Umlage berechnet, ab 1. Januar werden es 35 Prozent sein. Die meisten Eigenheimbesitzer wird das nicht weiter tangieren. Denn Anlagen mit einer Leistung von weniger als 10 Kilowatt sind für die ersten 10.000 selbst genutzten Kilowattstunden pro Jahr weiterhin von der Umlage befreit.

Energieumlagen steigen

Die Summe aller Umlagen, Abgaben und Steuern im Strompreis wird voraussichtlich so hoch sein wie nie: Sie steigt netto um 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Das liegt zum einen an der EEG-Umlage, die um knapp 0,2 Cent auf 6,534 Cent pro Kilowattstunde klettert. Ebenfalls um 0,2 Cent nach oben geht es aller Voraussicht nach mit der KWK-Umlage. Außerdem haben diverse Netzbetreiber steigende Netzentgelte angekündigt. Hier ist die Entwicklung aber regional sehr unterschiedlich.

Inwieweit sich das alles auf die Stromkosten auswirkt, wird sich zeigen. Denn die Preise an den Strombörsen sind seit Jahren auf Talfahrt. Auch 2015 mussten die Versorger weniger bezahlen.

Neue Effizienzlabel

Alte Heizungen bekommen ab 1. Januar 2016 Effizienzlabel: Sie ordnen die Anlagen Energieeffizienzklassen von A+ bis G zu. Man kennt das von Haushaltsgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen. Die Skala soll verdeutlichen, wie sparsam eine Heizung Energie einsetzt und gegebenenfalls Modernisierungen anregen.

Zunächst werden die Heizungslabel freiwillig vergeben, zum Beispiel bei Energieberatungen. Ab 1. Januar 2017 ist der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger verpflichtet, das Etikett im Rahmen der Feuerstättenschau auf den Heizkessel zu kleben.

Kosten kommen auf die Verbraucher dadurch nicht zu. Im ersten Jahr erhalten nur Heizungen das Label, die älter als 29 Jahre sind. In den Folgejahren sinkt die Altersschwelle schrittweise, bis schließlich ab 2024 alle Kessel ab 15 Jahren ein Etikett bekommen.

Auch Lüftungsanlagen für die Wohnung bekommen beim Einbau ab Januar 2016 ein Energie-Effizienzlabel mit den Klassen A+ bis G. Ausgenommen sind reine Abluftgeräte mit weniger als 30 Watt Leistungsaufnahme.

Die Effizienzklasse bemisst sich danach, welche Menge an Energie eine Anlage theoretisch gegenüber einer Lüftung mit geöffneten Fenstern einspart. Dabei wird der Wärmeverlust mit dem Stromverbrauch aufgerechnet. Geräte in der Klasse G erzielen gar keine Einsparung. Anlagen der Klasse A+ hingegen sparen rechnerisch trotz ihres Stromverbrauchs mindestens 42 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche ‒ mittels Wärmerückgewinnung. Bei alldem handelt es sich aber nur um theoretische Richtgrößen, weil die Dichtheit der Wohnung nicht berücksichtigt werden kann.

Ab 2018 werden nur noch Geräte zulässig sein, die mindestens 20 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter einsparen. Die Klassen E, F und G entfallen dann für Neugeräte.

Das Label enthält noch weitere Informationen: Anhand des Nennluftvolumenstroms lässt sich abschätzen, ob die Größe der Lüftungsanlage zur Wohnung passt. Außerdem ist die  Betriebslautstärke des Geräts angegeben. Hier liegt die Obergrenze ab 2016 bei 45 Dezibel, was einem durchschnittlichen Geräuschpegel in Wohnungen entspricht. 2018 wird sie auf 40 Dezibel sinken. So laut ist etwa ein nahes Flüstern.

Dunstabzugshauben tragen jetzt schon Labels. Künftig entfällt aber die Klasse G. Dafür wird die Skala nach oben hin erweitert: Ist ein Gerät besonders sparsam, kann es auf freiwilliger Basis schon in "A++" eingruppiert werden.


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